Ein neues Organigramm ist schnell erstellt, neue Rollen sind verteilt und eine gemeinsame Führungskraft ist benannt. Dennoch fühlt es sich Wochen oder sogar Monate später noch nicht wie ein Team an.

Diese Situation begegnet mir regelmäßig: nach Teamfusionen, Reorganisationen oder wenn neue Projektteams zusammengestellt werden. Eines wird in Unternehmen häufig unterschätzt:

Ein neues Team entsteht nicht automatisch, nur weil Menschen organisatorisch zusammengehören.

Teamfusion: Die Organisation ist schnell verändert – die Teamkultur nicht

Wenn zwei Teams zusammengeführt werden, liegt der Fokus meist auf Strukturen:

  • Wer übernimmt welche Verantwortung?
  • Welche Prozesse ändern sich?
  • Wie werden Aufgaben neu verteilt?

Das ist wichtig, aber es reicht nicht.

Denn während Organigramme innerhalb weniger Tage angepasst werden können, braucht die Entwicklung einer gemeinsamen Teamkultur Zeit und Aufmerksamkeit.

Bleibt diese Phase ungestaltet, entstehen häufig typische Muster:

  • ehemalige Teams arbeiten weiterhin nebeneinander,
  • Unterschiede werden stärker wahrgenommen als Gemeinsamkeiten,
  • Vertrauen entwickelt sich nur langsam,
  • Kommunikation bleibt innerhalb der bisherigen Gruppen,
  • eine gemeinsame Identität entsteht nicht.

Die organisatorische Integration ist abgeschlossen, doch die kulturelle Integration steht noch aus.

Warum gute Zusammenarbeit im Team nicht von allein entsteht

Viele Führungskräfte hoffen, dass sich ein neues Team mit der Zeit „einspielt". Man lernt sich schließlich im Arbeitsalltag kennen.

Meine Erfahrung aus zahlreichen Teamentwicklungen ist jedoch eine andere. Teamarbeit entwickelt sich zwar immer – die entscheidende Frage ist nur:

In welche Richtung?

  • Misstrauen.
  • Silodenken.
  • Unausgesprochene Regeln.
  • Missverständnisse in der Kommunikation.

Auch all das entwickelt sich, wenn niemand den Prozess bewusst gestaltet. Deshalb brauchen neue Teams frühzeitig einen Raum, in dem sie ihre Zusammenarbeit im Team gemeinsam entwickeln können – und zwar nicht erst dann, wenn Konflikte sichtbar werden, sondern von Anfang an.

Ein Praxisbeispiel aus meiner Arbeit

Vor Kurzem durfte ich ein Team begleiten, das aus zwei zuvor eigenständigen Teams entstanden war.

Beide Teams hatten die exakt gleiche Aufgabe und arbeiteten seit Jahren erfolgreich,  allerdings für unterschiedliche Geschäftsbereiche und mit sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen.

Die organisatorische Zusammenführung lag bereits sechs Monate zurück. Die Führungskraft formulierte das Ziel sehr klar: „Aus zwei Teams soll ein gemeinsames Team werden."

Der Workshop stand deshalb unter dem Titel: „Gemeinsam als Team zusammenwachsen."

Unser Ziel war nicht, eine Kultur vorzugeben, sondern Zusammenarbeit im Team entstehen zu lassen.

Zusammenarbeit im Team entsteht durch gemeinsames Erleben

In meinen Workshops arbeite ich deshalb immer auf zwei Ebenen gleichzeitig.

  1. Gemeinsam die Zusammenarbeit gestalten

Die Teammitglieder machten sichtbar:

  • welche Erfolgsfaktoren beide Teams mitbringen,
  • welche individuellen Fähigkeiten und Stärken vorhanden sind,
  • welche Werte ihnen wichtig sind,
  • und welches konkrete Verhalten sie künftig im Alltag voneinander erwarten.

Am Ende standen Vereinbarungen, die nicht von oben beschlossen wurden, sondern gemeinsam entstanden.

  1. Zusammenarbeit unmittelbar erleben

Der zweite Aspekt ist mir mindestens genauso wichtig.

Mitarbeitende verändern Teamarbeit nicht durch PowerPoint-Präsentationen. Sie verändern sie durch neue Erfahrungen.

Im Workshop wurde eine neue Art der Zusammenarbeit im Team bereits erlebt und erfahren:

  • Die Teammitglieder begegnen Menschen, mit denen sie bislang wenig Berührung hatten.
  • Sie hören einander zu.
  • Sie entwickeln gemeinsam Ideen.
  • Sie treffen Entscheidungen gemeinsam.
  • Sie erleben Beteiligung.

Genau dadurch entstehen Vertrauen und Verbundenheit und die Fähigkeit, wirklich miteinander statt nebeneinander zu arbeiten.

Das Ergebnis

Diese Rückmeldungen am Ende des Workshops haben mich besonders gefreut:

„Ich nehme mit: mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede."

„Gefühl: Wir sind ein Team."

Es geht nicht darum, dass am Ende schöne Moderationskarten an der Wand hängen, sondern dass Mitarbeitende beginnen, sich als gemeinsames Team zu erleben.

Was ich aus vielen Teamfusionen gelernt habe:

In den vergangenen Jahren habe ich zahlreiche neue Teams begleitet.

Dabei bestätigt sich immer wieder:

  • Gute Zusammenarbeit im Team beginnt nicht mit Regeln.
  • Teamkultur entsteht nicht durch Leitbilder.
  • Vertrauen entwickelt sich nicht durch Ansagen.
  • Gemeinsame Verantwortung wächst nicht von allein.

All das entsteht durch Erfahrungen, die Teams miteinander machen und durch die Fähigkeit und Motivation jedes Teammitglieds, sich wirklich einzubringen. Deshalb ist die Anfangsphase so entscheidend: Hier werden die Muster gelegt, die häufig über Jahre bestehen bleiben.

Mein Ansatz: Die Navigate6 Team Journey®

Genau aus dieser Erfahrung heraus habe ich die Navigate6 Team Journey® entwickelt. Sie begleitet neue Teams in den ersten entscheidenden Monaten ihrer Zusammenarbeit – mit klaren und messbaren Zielen für jede Phase.

Nicht mit einem Standard-Workshop, sondern mit einem strukturierten Entwicklungsprozess, der alle Teammitglieder aktiv beteiligt und Teamarbeit unmittelbar erlebbar macht.

Ich bin überzeugt:

Zusammenarbeit im Team lässt sich nicht anordnen. Sie entsteht dort, wo Mitarbeitende gemeinsam Erfahrungen machen.