Teamführung aus dem Homeoffice

So paradox es klingen mag, gerade jetzt, wo niemand mehr im Büro ist, besteht die Chance, als Team näher zusammen zu wachsen. Die Erosion von Halt und Struktur, die wir gerade erleben, löst bei vielen Menschen zwei Emotionen bzw. Reaktionen aus: Verletzlichkeit und Hilfsbereitschaft. Dies kann die Basis sein, um Verbundenheit und Vertrauen im Team zu stärken.

  1. Kontaktpunkte sind wichtig und gerade jetzt eher öfter und intensiver als sonst. Dies beginnt mit einem täglichen Video-Call über Teams, Zoom, Skype, MeetingToGo, etc. Machen Sie den Check – in oder Check – out zu einem Ritual mit wechselnden persönlichen Fragen wie „Was hat Deine Augen heute morgen schon zum Leuchten gebracht?“, „Was ist Dir gestern gut gelungen?“ oder „Auf was freust Du Dich heute Abend?“ Jeder kommt zu Wort, gibt individuell etwas Persönliches preis und wird mit Kamera! in doppeltem Sinne sichtbar … vielleicht anders als sonst.

  2. Das Gefühl, in der aktuellen Situation alle in einem Boot zu sitzen, stärkt die wechselseitige Hilfsbereitschaft und bietet die Chance zu mehr vertikaler Vernetzung im Team. Der Klassiker ist die Unterstützung von technisch weniger affinen Mitarbeiter durch technisch versierte Kollegen. Möglicherweise bietet sich gerade jetzt die gemeinsame, arbeitsteilige Verantwortung zweier Teammitglieder für ein Thema an. So entstehen auf Dauer redundante Struktur, Vertretungskompetenz und Wissenstransfer.

  3. Vertrauen in andere Menschen entsteht, wenn diese sich uns jenseits Ihrer Rolle und Funktion als solche zeigen.: „Wie geht es Ihnen selbst mit dieser Situation? Welche Befürchtungen und Hoffnungen haben Sie?“ Hier können Sie als Führungskraft vorangehen, indem Sie Ihre Emotionen angemessen mitteilen. Wenn die räumliche Nähe fehlt, kann die menschliche Nähe dennoch wachsen.

  4. „Ich bin unsicher, weil ich kein Feedback bekomme“, „Ich fühle mich abgehängt“ höre ich in den letzten Wochen oft, auch von Führungskräften. Vielleicht ist jetzt gerade die Zeit und die emotionale Bereitschaft, in angemessenem Rahmen die Fragen zu stellen, die das Team in der Qualität seiner Zusammenarbeit wirklich weiterbringt. Mit einer jeweils passenden Visualisierung können Sie fragen „Was treibt uns an, was bremst und aus“? Wo sind wir zu schnell, wo sind wir zu langsam?“ „Welche drei Attribute beschreiben uns gut?“ „Wie möchten wir als Team von anderen gesehen werden?“. Es braucht hier keine finalen Antworten. Viel wichtiger ist der Austausch, die Beteiligung und die wachsende Verbundenheit.

So stärken Sie Ihr Team in der Krise und bereiten den Weg für eine bessere Zusammenarbeit danach.